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Was ist "koscher"?

Was ist "koscher"?

Was heißt koscher?

 
 
Was unterscheidet koscheren Wein (Jájin kaschér) vom 'normalen' Wein (Jájin stam)? 

Entscheidend ist der Grundsatz, dass mit Beginn der Traubenpressung bis zur Abfüllung des Weins niemand, der kein strenggläubiger – also den Sabbath befolgender – Jude ist, den Wein, die Fässer und Tanks, die Schläuche etc. – also alles, was mit dem Wein in Kontakt kommt – berühren darf. Da in der Regel die Winzer und Weingutsbesitzer keine strenggläubigen Juden sind, ist es nicht unüblich, dass der Weingutsbesitzer seinen eigenen Wein, solange er nicht auf der Flasche ist, nicht anfassen darf. 

Hinzu kommen folgende „Regeln“:

1. Die Trauben werden erst ab dem 4. Jahr geerntet, nicht von jüngeren Rebstöcken.

2. Es gibt eine Zweimonatsfrist vor der Ernte, während der nicht mehr organisch gedüngt werden darf. Alle Geräte, die zur Ernte oder Verarbeitung der Trauben dienen sollen, werden ebenso wie das Silo unter der Aufsicht von Rabbinern gesäubert.

3. Enzyme und Bakterien dürfen nicht zugefügt werden. Nur die auf der Schale befindlichen Bakterien bringen die Fermentation in Gang. Gelatine, Kasein sowie Stierblut sind beim Vinifizieren unzulässig. Zur Reinigung ist lediglich Betonit zugelassen. Es dürfen nur Papierfilter verwendet werden.

4. Flaschen dürfen nicht mehrmals gefüllt werden.

5. Im 7. Jahr (Schabbatjahr) werden keine Trauben geerntet. Die Rebstöcke sollen sich organisch regenerieren. 1 % der Weinerzeugung wird zugunsten der Armen abgegeben und darf nicht zum Verkauf kommen.

6. Außerdem müssen alle Arbeitsgänge in Übereinstimmung mit den sonstigen Geboten der Halacha (jüd. Religionsgesetz) ausgeführt werden, z.B. keine Arbeit am Schabbat, im Weinberg dürfen keine anderen Pflanzen stehen (Verbot der Mischkulturen)

7. Eine weitere Eigenart des koscheren Weins sind die „Mevushal“-Weine. Da in jüdischen Gemeinden oft und gerne gefeiert wird, aber gerade im Ausland meistens Nicht-Juden für den Ausschank des Weins zuständig sind, würde der offene Wein, in dem Moment, wo ihn ein Nicht-Jude berührt, seine Eigenschaft, koscher zu sein, verlieren. Im Babylonischen Talmud gibt es aber auch dafür einen Ausweg: Mevuschal. Damit ist ein Wein gemeint, der kurze Zeit so stark erhitzt wird, bis „die Hand zuckt“. Vergleichbar ist dieser Vorgang mit der Maische-Erhitzung. Selbstverständlich leidet darunter die Qualität der Weine, aber vor allem bei den jüdischen Gemeinden in den USA gibt es eine erhebliche Nachfrage nach Mevuschal-Weinen.